|
|
||
![]() |
Home | |
|
|
||
|
|
Brief an Bundestagsabgeordnete zur Bundestagsabstimmung über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr |
||
|
Am 25. Januar 2011, einige Tage vor der Bundestagsabstimmung über die Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr am 28. Januar 2011, schrieben wir an die beiden Bundestagsabgeordneten des Landkreises Eberberg Ewald Schurer (SPD) und Dr. Max Lehmer (CSU) folgenden Brief:
OFFENER BRIEF Ebersberg , 25.Januar 2011 Sehr geehrte Mitglieder des Bundestages Herr Dr. MaxLehmer und Herr Ewald Schurer, Die "BürgerInnen gegen den Krieg" Im Landkreis Ebersberg
wenden sich aus großer Besorgnis an Sie in Ihrer Funktion als Abgeordneter
des Landkreises Ebersberg. Der Deutsche Bundestag hat vor zehn Jahren
beschlossen, im Rahmen der Bekämpfung des Terrorismus , deutsche
Soldaten zum Kriegseinsatz in Afghanistan bereitzustellen. Obwohl dieser
Einsatz nun schon länger dauert als der Erste und Zweite Weltkrieg
zusammen, ist ein Ende des Einsatzes nicht abzusehen, auch wenn vage Truppenverminderung
in Aussicht gestellt wird. Aus all diesen Gründen fordern wir Sie dazu auf, den Einsatz der Bundeswehr in diesem moralisch, juristisch und politisch nicht zu rechtfertigenden Krieg abzulehnen. Mit friedlichen Grüßen Werner Schmidt-Koska (08106-20239),
Yvonne Grossmann,
Die Ebersberger Süddeutsche Zeitung berichtete in ihrer Ausgabe vom 27. Januar 2011 auf Seite 1 darüber: Nein zum Krieg in Afghanistan Ebersberg - Kurz vor der Abstimmung über die Verlängerung des Afghanistanmandats im deutschen Bundestag am Freitag, 28. Januar, haben sich die Mitglieder der Initiative 'BürgerInnen gegen den Krieg' in einem offenen Brief an die Bundestagsabgeordneten Max Lehmer (CSU) und Ewald Schurer (SPD) gewandt. Die Friedensinitiative um die Vorsitzenden tände Yvonne Grossmann und Werner Schmidt-Koska appellieren eindringlich an die Abgeordneten des Wahlkreises Erding-Ebersberg, einer Verlängerung des Mandats nicht zuzustimmen. 'Mit großer Besorgnis' wenden sich die Mitglieder an die Bundestagsabgeordneten und verweisen darauf, dass der Afghanistaneinsatz mittlerweile länger dauere als die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts zusammen. 'Ein Ende des Einsatzes ist nicht abzusehen, auch wenn vage Truppenverminderung in Aussicht gestellt wird', kritisieren die BürgerInnen gegen den Krieg. Der Einsatz sei moralisch, juristisch und politisch verwerflich - gleichwohl die Initiative mit den Abgeordneten in einem Punkt übereinstimme: Die Bekämpfung des Terrorismus sei nicht nur legitim, sondern auch notwendig. Doch, so die Initiative, treffe der Krieg in Afghanistan seit zehn Jahren in erster Linie zivile Opfer sowie öffentliche Einrichtungen und keine Terroristen. Die Abstimmung im Bundestag wird mit Spannung erwartet. Beobachter rechnen aber mit einer breiten Unterstützung des Mandats - auch durch die Stimmen der Sozialdemokraten. müh Quelle: Süddeutsche Zeitung
Am 8. Februar antwortete Ewald Schurer (SPD), der sich in der Abstimmung der Stimme enthielt, mit nachfolgendem Brief. Von Dr. Lehmer (CSU), der für eine weitere Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes stimmte, liegt weiterhin keine Reaktion vor (Stand 12.02.11).
Sehr geehrte Frau Großmann, vielen Dank für Ihr Schreiben vom 25. Januar 2011, in dem Sie mich auffordern dem Antrag der Bundesregierung zur Verlängerung des Afghanistan-Mandates nicht zuzustimmen. Nach einem gründlichen und sehr verantwortungsbewussten Diskussionsprozess innerhalb meiner Partei, der im Ergebnis einen Strategiewechsel im Afghanistan-Einsatz befürwortete, bin ich nach reiflicher Überlegung zu dem Entschluss gekommen, einer erneuten Verlängerung des Mandates nicht zuzustimmen. Ich habe mich deshalb am 28. Januar 2011 im Deutschen Bundestag enthalten. Sehr gerne bin ich bereit Ihnen meine Beweggründe dafür zu schildern. Die auf den beiden Afghanistan-Konferenzen im Berliner Willy-Brandt-Haus
im Januar und November 2010 erarbeiteten Positionen der SPD, u.a. Ende Ich bin überzeugt davon, dass es gegenüber den Soldatinnen
und Soldaten der Bundeswehr, der Armee selbst und in der Verantwortung
für unser Land keine größere Fürsorge geben kann,
als jetzt in 2011 mit diesem Abzug zu beginnen und den Rückzug mittelfristig
bis spätestens 2015 zu beenden. Mir ist klar, dass dieser Abzug geordnet ablaufen muss. Das heißt, dass in Koordination der NATO-Staaten gehandelt werden muss, um den dann kleiner werdenden Kontingenten, den maximalen Schutz zu ermöglichen. Meine Enthaltung ist nur deshalb kein klares Nein geworden, weil ich mich ausdrücklich zur Bundeswehr bekenne und weiß, dass rein pazifistische Forderungen, die ich respektiere, real das Gegenteil in Afghanistan bewirken würden. Ich habe Besuche von Delegationen in Bosnien oder im afrikanischen Ruanda organisiert, um zu lernen, dass UN-mandadierte militärische Einsätze gerade in Bürgerkriegen oftmals die einzig verbleibende Möglichkeit sind - quasi die ultima ratio - die einheimische Bevölkerung vor organisierten (Massen-)Verbrechen zu schützen. All zu selten gelingt dies in unserer leider zunehmend radikalisierten Welt. Militärische Einsätze sollen in ihrem eigentlich Kern die dringend notwendigen zivilen Aufbauprogramme im Idealfall schützen. Zur Wahrheit gehört dazu, dass diese Aufbauprogramme erst durch den militärischen Schutz möglich wurden. Nach 10 Jahren deutscher Bundeswehr-Beteiligung muss allen klar sein: In Afghanistan ist kein Krieg zu gewinnen. Die absolute Mehrheit der Menschen in Deutschland wollte auch nie einen führen. Daher verstehe ich auch voll und ganz Ihre Bedenken. Natürlich gibt es eine Verantwortung gegenüber den Menschen in Afghanistan, mit zivilen Programmen für Bildung, Gesundheit, Mädchen- und Frauenförderung, um den Aufbau ziviler Strukturen die Gesellschaft zu fördern. Daher bin ich froh, dass im letzten Jahr nahezu eine Verdopplung der deutschen Mittel für den zivilen Aufbau Afghanistans auf 430 Millionen Euro stattgefunden hat. Es sind auch erhebliche quantitative Fortschritte bei der Ausbildung von afghanischen Soldaten und Polizisten erfolgt. Auch wenn diese aufgrund des nach wie vor hohen Anteils an Analphabeten noch stark ausgebaut werden müssen. Hierin liegt im Übrigen der Schlüssel für ein befriedetes
Afghanistan. Ich bedaure sehr, dass die Bundesregierung der Forderung der SPD nach einer unabhängigen wissenschaftlichen Analyse über den Einsatz nicht zugestimmt hat. Somit fehlt bis heute eine wirklich fundierte Einschätzung über Erfolge und Misserfolge in der ISAF-Mission. Zu guter letzt war meine Enthaltung auch das Ergebnis eines Gewissenskonfliktes, der mich im zehnten Jahr meiner parlamentarischen Arbeit zu diesem Ergebnis gebracht hat. Mit freundlichen Grüßen Ewald Schurer, MdB -- Tel: 030/ 227-74271 |
||
|
Copyright ©
2010 BürgerInnen gegen den Krieg Ebersberg
|